Vinylmania Part 4: Boys Noize - Presents Strictly Raw Volume 1 +++ Ten Walls - Walking with Elephants 12“ +++ Babymetal CD
fp | 19.06.2015   
Vinylmania Part 4: Boys Noize - Presents Strictly Raw Volume 1 +++ Ten Walls - Walking with Elephants 12“ +++ Babymetal CD
Wo jetzt immer schön die Sonne lacht und alle am See chillen und die letzten Reviews so lange her sind, ist es auch mal wieder an der Zeit für ein paar Vinyl Reviews. Der momentane Platten-Hype und der dumme RSD nerven zwar gerade, weil die Preise im Vergleich zu früher wirklich krass angestiegen sind und nen Zwani für Neuerscheinungen schon Standard geworden sind, so dass man gar nicht mehr lustig und unbeschwert wie früher diggen kann. Da kommt manchmal schon die Frage auf, ob man sich für die ganze Kohle nicht lieber ne Kiste Bier oder Rauschgift zulegt und man da nicht letztlich mehr von hat.

Bei der Lollapalooza Prae-Party gab es aber zum Glück das neue Boys Noize Album vom Chef persönlich (danke Dude!), so dass einem amtlichen Bierbauch erstmal nichts im Wege steht. Das Teil heißt Presents Strictly Raw Volume 1 und kommt voll arty mit einem minimalistischen, unifarbenen und blutroten Cover daher. Von der Mukke gibt es recht zeitlosen Techno mit wenig Wiedererkennungseffekt, der weniger Hit- und „Ed Banger“ lastig wie noch das jute alte Oi, Oi, Oi Album kommt und streckenweise musste ich an die guten alten ZombieNation oder eine "Gigolo" Platte aus der Nuller-Zeit denken. So ist die Scheibe auch weniger zum zu Hause hören geeignet, da sie schon recht Club-Style ausgefallen und teilweise ist auch recht düsteres Endzeit-Geknüppel drauf, aber jede Musik hat ja bekanntlich seine Zeit und zur Primetime bei der Warehouse-Party kann man schon gudde Laune bekommen.

+++

Wo ja letzte Woche das halbe World Wide Web auf Ten Walls einprügelt hat, sicherlich Homosexuelle mit Pädophilen auf eine Stufe zu stellen war unendlich dumm, aber die hyperventilierenden PC-Blockwarte allerorten nerven mit ihrer Unlogik unendlich mal mehr. Mit derselben Logik kann man nämlich gleich auch Gangster Rap oder Reggae verbieten und die ganzen Bessermenschen müssten eigentlich auch täglich vor der saudischen oder iranischen Botschaft demonstrieren. In diesen Ländern werden Schwule nämlich vom Staat im Wochenrhythmus gehängt, geköpft oder sonst wie massakriert (ich spare mir jetzt die Links, google dein bester Kumpel) und da hört man immer nada, niente, nix außer dröhnenden Schweigens.

Diese Doppelmoral saugt so unendlich, zumal sich der der litauische Produzent auch entschuldigt hat. Auf jeden Fall war Walking with Elephants mein Open-Air Sommer-Hit 2014 und Ten Walls war einer der wenigen interessanten Acts auf dem ansonsten gähn-langweiligen Berlin Festival. Durch den Boykott bekommt man die Pladde wohl gerade recht günstig oder in 138 Teile zerbrochen und mich verwundert, dass sie bisher nicht auch noch indiziert wurde =D.

Die Scheibe auf der nächsten Party aufgelegt sorgt mit Sicherheit für bomben Stimmung und zudem kann man bestimmt eine interessante Kontroverse über Meinungsfreiheit versus Political Correctness vom Zaun reißen, was ja bei dem ewigen Kokain-Talk auf den Raves auch mal ne nette Abwechslung sein kann und wie schon vor 200 Jahren Voltaire so treffend anmerkte: „Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.“

+++

Und Last not least noch eine Band, die wieder nur ich gut finde, eine Art best of Album von Babymetal kann man jetzt auch offiziell in Deutschland kaufen - als die-hard Fan konnte man das bisher nur für viele Yens direkt aus Japan tun. Babymetal ist eine ehemalige Casting-Band mit 3 minderjährigen Schulmädchen, die man aber nicht mit dem Dieter Bohlen Casting-Schrott hierzulande vergleichen kann und die zufällig ein neues Genre erfunden haben, den „Kawaii (japanisch liebenswert, süß, niedlich) Metal“, den ich aber eher als Manga-Metal bezeichnen würde, weil die Girls so surreal skurril wie aus einem japanischen Comic entsprungen wirken.

In Japan sind die Mädels bereits Superstars und füllen riesige Stadien (aber keine Ahnung wie das mit den Handschuhen und Gitarre spielen geht =D), was vielleicht auch durch den crazy Lolita-Schulmädchen-Fetisch im Land der aufgehenden Sonne erklärbar ist, aber abgesehen davon ist einfach die Mukke goil und infantile Anime-Stimmen mit knallharten Metal zu crossovern ist einfach ganz großes Kino. Punkt!

Ich kannte Babymetal bisher nur als youtube-Phänomen und von ihren kuulen Videos (guckst du hier, hier, hier, hier oder hier ) und auf der CD sind mehr oder weniger auch die selben Tracks drauf. Eine Vinyl Version gibt es meines Wissens nicht (buh!) und keine Ahnung wer heutzutage noch CDs kauft, kommt ja schon ziemlich 90er und ob Compact Discs bei der Generation Internet Sinn machen, bin ich wirklich überfragt, ich besitze jedenfalls nur noch nen CD-Laufwerk im Rechner. 100 Prozent Sinn macht aber der Gig am 27. August im Huxleys, da haben die Kawaii Metal Girls nämlich Schulferien und werden in der Hauptstadt wohl einen der ungewöhnlichsten und sicherlich sehenswertesten Konzerte 2015 spielen.

Und wem das doch alles zu Hype und Mainstream mit Babymetal wird, mit PassCode steht schon die nächste Lolita-Combo aus Japan in den Startlöchern.

Sooo, happy digging, Peace & Harmony…


hier gehts zur Fotogalerie


Kategorie: Musik

Vinylmania Part 4: Boys Noize - Presents Strictly Raw Volume 1 +++ Ten Walls - Walking with Elephants 12“ +++ Babymetal CD
Mode kann man kaufen - Style muss man haben und so wurde als stylischster Blogger des World Wide Webs natürlich noch beim „New Faces Award“ vorbeigeguckt. Beim „New Faces Award“ zeichnet das Boulevard-Magazin „Bunte“ immer zahlreiche Nachwuchs-Promis, -Blogger und -Influencer für ihr Stil-Bewußtsein aus, was mal eine jute Gelegenheit für etwas Style-Control beim Nachwuchs war und natürlich um ein paar leckere Cocktails zu kippen.

Vinylmania Part 4: Boys Noize - Presents Strictly Raw Volume 1 +++ Ten Walls - Walking with Elephants 12“ +++ Babymetal CD
Donnerstag hat es nicht nur Hunde und Katzen geregnet, sondern es wurde auch noch direkt arty: Im Kraftwerk Rummelsburg feierte die Art-Initiative no commission Premiere , wo es darum geht, dass Künstler ihre Werke ohne Kommission verkaufen können. Finden wir definitiv ein spitzen Projekt, wo Galeristen und Kuratoren immer mehr die Wohnungsmakler des Kunst-Business werden, die, wie Pickel im Gesicht, eigentlich kein Mensch braucht.
Vinylmania Part 4: Boys Noize - Presents Strictly Raw Volume 1 +++ Ten Walls - Walking with Elephants 12“ +++ Babymetal CD
Haha – Zalando Party in der neuen Bar25, die jetzt Kater Holzig heisst, da werden sicherlich wieder viele „Szene“–Nazis Ausverkauf schreien, wenn sich Berlins gehyptester Afteraua-Club so an die böse Industrie veruhrt. Dabei war die Party des Schuh-Online-Versands eigentlich ziemlich jut, so wie früher zu Zeiten, als die Dotcom Blase noch nicht geplatzt war und das Venture Capital in Strömen floss. Ganz Déjà-vu wurden die Gaumen der geladenen Gäste nach Strich und Faden verwöhnt. Anlass der mondänen Sause war der Launch des hauseigenen Zalando Magazin.
Vinylmania Part 4: Boys Noize - Presents Strictly Raw Volume 1 +++ Ten Walls - Walking with Elephants 12“ +++ Babymetal CD
Schwer zu sagen ob die Lena Hoschek Sause die beste Party der Fashion-Week war, aber mit 100 prozentiger Sicherheit war es die kuulste. Häppchen wurden von burlesquen Models gereicht, so dass man beim knipsen direkt in Oliver Raths Fußstapfen treten konnte ;), zahlreiche Gäste in Lena Hoschek look-alike Outfits sorgten für eine lustige 50er Kulisse und die Rockabilly-Punk Rampensäue Kamikaze Queens rockten mit ihrer genialen Live Show das Haus. Einen guten Eindruck der Kamikaze Queens kann man hier
Vinylmania Part 4: Boys Noize - Presents Strictly Raw Volume 1 +++ Ten Walls - Walking with Elephants 12“ +++ Babymetal CD
Eins ist klar, wenn Ades Zabel & Co auftreten ist auf der Bühne was los und dem Publikum wird keine Atempause gegönnt, denn es wird frivol und stimulierend getanzt, gesungen und gesoffen. Bei Neuköllns Hartz IV Abzockerin Edith Schröder (Ades Zabel) geht es auch diesmal wieder drunter und drüber, von ihren besten Freundinnen verraten und mittellos, wird sie gezwungen ein Stadtfest im Herzen Neuköllns zu organisieren. Da ist es natürlich absehbar, dass es zu unzähligen Eskapaden, Verwechslungen und Gelagen kommt. Aber den Zuschauer erwartet bei Made in Neukölln nicht nur eine abwechslungsreiche Story, sondern auch schrille Kostüme, lustige Gesangseinlagen und wirklich tolle Charaktere. Nachdem Made in Neukölln im Jahr 2010 so überaus erfolgreich war, wurde es 2011 nun neuinszeniert und läuft noch bis zum 17.09. im BKA Theater am Mehringdamm. Edith Schröder wurde vor über 25 Jahren von Ades Zabel erfunden und in regelmäßigen Abständen werden neue und alte Stücke (wieder)aufgeführt, so wie zum Beispiel Wenn Ediths Glocken klingen, V.I.P. Verschollen im Pazifik und viele andere…
follow us on instafame :)