Screening Wüstentänzer - Afshins verbotener Traum
fp | 20.06.2014   
Screening Wüstentänzer - Afshins verbotener Traum, Afshin Ghaffarian, Berlin, Foto, wagg.de
Statt Sommerloch und sinnlos im Park rumflegeln war am Mittwochabend wieder mal Kinotag angesagt. Auf dem Programm stand diesmal die Preview des persischen Tanzdramas „Wüstentänzer - Afshins verbotener Traum“, in dem es um das Verbot zu tanzen und die Verfolgung der Opposition im Iran geht. Der auf wahren Begebenheiten beruhende Streifen erzählt die Geschichte von Afshin Ghaffarian, der in dem Land am persischen Golf eine illegale Tanzgruppe gründet und mit ihr in der Wüste auftritt und deswegen aus dem Iran fliehen muss. Als Zuschauer erhält man dabei superinteressante Einblicke in das persische Studenten- und Alltagsleben und sieht einen überzeugenden Cast und tolle Wüsten-Panoramen, so dass die zwei, drei Längen zum Schluss des Films durchaus verzeihbar sind.
Ein wenig verwirrend war lediglich das Publikumsgespräch mit dem persönlich anwesenden Hauptprotagonisten Afshin Ghaffarian, der freimütig äußerte, dass seine Flucht in der Realität weit weniger dramatisch ablief, sprich er überhaupt nicht verfolgt und auch nicht aus dem Mullah Staat fliehen musste, sowie das tanzen im Iran eigentlich auch gar nicht verboten wäre. Das wirkte natürlich recht skurril bei einem Film, der mit „basierend auf wahren Begebenheiten“ beworben wird, so dass man sich auf einmal wie bei tausend und einer Nacht vorkam.



Screening Wüstentänzer - Afshins verbotener Traum, Afshin Ghaffarian, Berlin, Foto, wagg.de
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Vielleicht wurden im Iran die Angehörigen von Afshin bedroht oder er sitzt einer falsch verstandenen Political Correctness auf, um die Aussagen des durchaus kritischen Films wieder zu relativieren. Was immer die Beweggründe Afshins sein mögen und was in seinem speziellen Fall nun die Wahrheit war oder nicht, ist aber eigentlich auch gar nicht so wichtig, denn selbst wenn man kein Iran-Experte ist und nicht komplett blind oder ignorant durch das Internet surft, weiß man, dass tanzen im Iran aktuell durchaus verfolgt wird, genauso wie Homosexualität oder "unkeusches Verhalten" hängend am Baukran enden kann.

In diesem Sinne ist „Wüstentänzer - Afshins verbotener Traum“ ein Film, der zum kritischen nachdenken über Freiheit, Individualismus und den Terror eines theokratischen Regimes anregt und darüber, wie glücklich wir uns eigentlich schätzen können, im hier und jetzt zu leben, wo man keinen einzigen Gedanken darüber verschwenden muss, ob es legitim oder nicht ist, seinen Körper im Takt einer Melodie zu bewegen. Das war das Wort zum Freitag, ein schönes Wochenende und zum Trailer des sehenswerten Movie geht es hier



und Kinostart ist am 03.07....
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Kategorie: Film

Screening Wüstentänzer - Afshins verbotener Traum, Afshin Ghaffarian, Berlin, Foto, wagg.de
Zum 10. Jubiläum der Avantgarde-Designerin Esther Perbandt fand am Mittwoch Abend eine ganz besondere Modenschau in der Berliner Volksbühne statt. Wer die Erwartung hegte, eine "normale" Runwayshow (Spotlights an, Musik vom Band, dürre, junge Models laufen in Reih und Glied den Laufsteg entlang) zu besuchen, wurde definitiv überrascht. Schon zu Beginn der Show wurde das Publikum von einer ungewöhnlichen Geräuschkulisse irritiert. Eine Art Chor gab auf der Bühne alle möglichen Töne von sich - aber es war definitiv kein Gesang. Plötzlich tauchte eine unheimlich tanzende "Gestalt" auf und bewegte sich zu dem Zischen, Ahhheen und Ooooohhhen des Chors und den dazu gemischten Beats eines DJs, welcher sich ebenfalls auf der Bühne befand. Etwas Gänsehaut kam bei dieser Vorführung schon auf und man fragte sich: What the fu**?
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Dienstag Abend wurde der Horrortrip endlich Realität und es wurde bei der Premiere von Der Nachtmahr (Kinostart: 27.05.) vorbeigeguckt, den ich zwar schon gesehen hatte, mir aber unbedingt nochmal anschauen wollte, weil er so schön psychedelisch und surreal war. Als die Leinwand schließlich freigegeben war, wurde es wieder ein Rausch aus Nightmare und Afteraua-Rave und man fühlte sich gar nicht wie im Kinosessel, sondern irgendwie mittendrin in dem absurden Alptraum. Die Handlung ist eigentlich total banal, ein Teenie-Girl (Carolyn Genzkow) konsumiert zu viel Rauschgift (kommt schon mal vor =D) und sieht dann immer ein ET-artiges Monster in ihrer Wohnung rumlaufen, woraufhin ihre Eltern und Freunde natürlich glauben, sie ist voll psycho und hat ein Rad ab.
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Da ist die Modewoche gerade einmal 2 Tage um und schon ist in der "24 Stunden am Tag offenen Weltstadt" wieder Kino angesagt, denn gestern Abend feierte die Rentnerkomödie "Bis zum Horizont, dann links!" von Regisseur Bernd Böhlich Premiere in der Kulturbrauerei. In der gesellschaftskritischen Komödie über das hohe Alter geht es um die Flucht einer Seniorengruppe aus einem tristen Altersheim. Ziel der Betagten ist es noch einmal im Leben das Meer zu erblicken und den ewigen Entmündigungen und den monotonen Beschäftigungstherapien des Heimes zu entfliehen. Bis zum Horizont, dann links! besticht dabei vor allem durch den lustig-makaberen Altersheim-Humor und natürlich durch die überragende Schauspielleistung des Ü70 Starensemble bestehend aus Otto Sanders, Angelica Domröse, Ralf Wolter und Herbert Feuerstein.
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Yiippiiee, what a feeling, nächsten Dienstag wird der Schweißbrenner im Stahlwerk beiseitegelegt und die Tanz-Ballerinas sowie die 80ies Aerobic-Fashion Disasters aus dem Schrank gepackt, denn Flashdance – Das Musical feiert Premiere in der Mutterstadt. Bei der legendären Wasserszene im Movie und bei dem Track “Flashdance” von Irene Cara bekomme ich immer noch ein krasses Déjà-vu inklusive Gänsehaut und weil wir tanzende Schweißerinnen auf den Brettern, die die Welt bedeuten, über alles lieben, gibt es heute noch 2 x 2 exklusive Premierentickets für das Musical des Kult-Streifens abzustauben. Wie immer eine affektive, expressive und emotionale E-Mail mit den Betreff #wasfüreingefühl an ferdinand[at]wagg.de getippt und janz feste die Daumen gedrückt. Und wem Fortuna diesmal leider nicht hold ist, das Musical flasht Berlin noch bis zum 22.12. und Tickets gibt es hier zu erwerben…
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Am Mittwoch feierte im Kino International der neue Film von Andreas Dresen (u.a. Halbe Treppe, Sommer vorm Balkon) Halt auf freier Strecke seine Berlin Premiere. Auch in seinem neuen Film bleibt sich Andreas Dresen seiner Art Filme zu drehen ziemlich treu, denn wie in Wolke 9, wo es um das Tabuthema der körperlichen Liebe im Alter geht, erzählt Halt auf freier Strecke in äußerst realistischen und in fast schon halbdokumentarisch wirkenden Bildern vom langsamen Sterben aufgrund eines unheilbaren Gehirntumors. Das geht dem Zuschauer natürlich gehörig an die Nieren und man ist froh wenn der Film endlich zu Ende und der Patient tot ist. Trotzdem ist Halt auf freier Strecke ein überaus bewegender Film zum Thema der Bewältigung des Todes geworden, wo der Zuschauer auch gerade wegen der eigenen Endlichkeit des Daseins recht nachdenklich zurückgelassen wird und obwohl das Drama auch seine lustigen Momente hat, sollte man die Taschentücher nicht zuhause liegenlassen. Halt auf freier Strecke läuft wohl eher nicht im Cinemaxx oder Cinestar, dafür aber mit Sicherheit im arthaus-Kino des Vertrauens ;) Mehr interessante Hintergrund-Infos aus dem NDR Kulturjournal kann man sich hier anschauen
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