Premierenkritik zu Sonny Boys im Schlossparktheater
Antonia Nooke | 03.12.2013   
Premiere, Sonny Boys, Schlossparktheater, Dieter Hallervorden, Philipp Sonntag, Susanna Capurso, Tilmar Kuhn, Berlin, Theater, wagg.de
Elf Jahre nicht gesehen, zwölf Jahre nicht gesprochen. Und das aus hartem Kalkül: nie wieder gemeinsam! Nicht die beste Ausgangssituation, wenn man nun plötzlich wieder als Komiker-Duo die nostalgische Reunion auf der TV-Bühne feiern soll. Aber die Kohle lockt, die Privaten zahlen halt gut. Und spätestens wenn ein Ü70-Jähriger sagt: Man muss ja was für die alten Tage zurücklegen, wird klar: Hier ist doch irgendwas komisch!

In der neu bearbeiteten Komödie „Sonny Boys“ von Neil Simon (deutsche Erstaufführung 1973) lässt Regisseur Thomas Schendel zwei alte Show-Hasen im Schlossparktheater zu Hochformen auflaufen. Komediegröße Dieter Hallervorden, selbst den Digital Natives wohl als „Didi“ ein geläufiger Name, steht gerade gut im Training: In seinem brandneuen Film „Sein letztes Rennen“ (hier geht’s zum Artikel) beweist er bereits Höchstleistung. Nun zeigt er auch auf der Bühne wieder sein fantastisches altes Gesicht: abgedrehten Mimik, ausschweifenden Gestik und seiner Leidenschaft zu höchst amüsanter Wortklauberei. Philip Sonntag hält eindrucksvoll dagegen: mit physischer Starrheit, altersgerechter Sturheit und dogmatischer Traditionsbehaftung. Und ganz im Zeitgeist aktueller TV-Shows (man schaue sich mal Bully mit seinen sich selbst spielenden Buddys an) zeigen die Schauspieler absolute Selbstironie: Didi und Phil heißen die Herren Ex-Komiker, die mit ihren gemeinsamen Auftritten 43 Jahre Ruhm und Geld einfuhren. Doch dann stieg Phil aus. Didi war sauer. Eben nicht mehr nur weil Phil auf der Bühne spukt wie ein Lama. Und Didi hat Durchhaltevermögen.

Das nicht sonderlich innovativ aber zuverlässig überzeugend inszenierte Stück dreht sich um Beziehungsdynamiken und Freundschaft, Eitelkeiten und Stolz und irgendwie um Versöhnung. Nebenher wird mit Didis engagierten Neffen (von Tilmar Kuhn etwas zu theatralisch gespielt) die Generationenverantwortung für die Alternden und das schwierige Schauspielerbusiness eingeflochten. Und am Ende ist das Ganze auch eine Parodie auf die etlichen TV-Nostalgie-Shows, in denen in die Jahre gekommene Stars unnötigerweise wieder vor die Kamera gezerrt werden.

Denn der einzigartige und einzige Sketch des Ex-Erfolgsduos hat sich abgenutzt. Die Komik ist verflogen. Übrigens auch im Stück selbst. Aber die Aneinanderreihung von albernen Kurzpointen und Slapstickeinalgen nimmt man nur zu gern in Kauf. Denn eingebettet ist das ganze in frappierend realistische und absolut geistreiche Beziehungsverhedderungen, Alltagskomik und Wortspiele.

Das Premierenpublikum am 30. November 2013, ist bestens unterhalten. Wer bei einem Gag mal nicht lachen konnte, wird belustigt durch die Lacher in der nächsten Sitzreihe. Humor lässt definitiv Generationen unterscheiden. Und während die meisten im Theatersaal wohl brüsk bezeugen: So würde ich nie reagieren! Fürchten die anderen, alsbald so zu werden. Und die dritten amüsieren sich, den Opa in all seinen Facetten mal in kurzweiligen 90 Minuten pointiert zu sehen. Und das erhebendste ist: Hallervorden und Sonntag sind das agilste Beispiel dafür, dass es nicht so kommen muss!

Kurzum, ein Ausflug in den Westen, ins malerische Schlossparktheater in Steglitz, beschert nicht nur Didi-Fans einen herzlich lachhaften Abend. Das Stück ist noch bis April 2014 zu sehen – mehr Infos gibt es hier


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Kategorie: Lifestyle

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Wie bestimmt noch niemand mitbekommen hat ist ja wieder der Modezirkus in der Stadt und weil die Mode nie aus der Mode kommt, ging es am Sonntag erst mal zur Fashion-Week warm-up Sause vom Harald Glööckler, ein wenig auf die Modewoche einstimmen und etwas vorglühen.

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Wirklich krass wie die Zeit vergeht und letzten Donnerstag war es dann soweit: 20 Jahre Atari Teenage Riot (1992-2012!). Die CyberpunkGabba-Punk Band um Alec Empire, die sich jetzt theoretisch auch in Atari Twen Riot umbenennen könnte, sind jedoch Null alt und langweilig geworden, sondern haben diverse Umbesetzungen, Auflösungen und den Tot eines Band-Members locker weggesteckt und spielten einen frischen Gig als wäre die Zeit stehengeblieben. Stimmungsmäßig war es wie früher bei den ganzen Punk/HC Konzerten wie Bad Religion oder Sick of it all und zu den ganzen alten Hits wie Start The Riot!, Riot 1995, Destroy 2000 Years Of Culture usw. war dann auch jut Pogo-Dancing angesagt und ständig kam irgendwelches Volk von irgendwoher angeflogen. Atari Teenage Riot sind ja einer der wenigen Berliner Bands die international viel Renommee erfahren haben und zum Beispiel mit den Beastie Boys, Slayer oder Rage Against the Machine getourt oder Mukke gemacht haben, aber in ihrer eigenen Heimatstadt kurioserweise nie wirklich Anerkennung gefunden haben, was wohl dem dogmatischen Berliner-Schubladendenken geschuldet ist, was entweder nur „handgemachte“ oder nur elektronische Mukke kennt.
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Montag ist nicht immer Schontag, zumindest gestern Abend, da war der erste Tag der Woche nämlich eher so was wie ein glam-day, denn niemand geringeres als Haute Couture–Legende Jean Paul Gaultier schaute mal eben in der Hautstadt vorbei und stellte die Dokumentation „Jean Paul Gaultier arbeitet“ in recht intimen Kreis im Neukölner Schwuz vor. In der Doku dreht sich natürlich alles um den französischen Mode-Maestro himself, der seine spektakulärsten Mode-Kreationen in der Doku erklärt. Die größten Erfolge des Designers sind zwar schon seit circa 20 Jahren passé, aber in den 70ern bis in die späten 90er war Jean Paul Gaultier sicherlich einer der prägendsten Modeschöpfer seiner Zeit. Vor dem Screening war ich doch etwas skeptisch, da ich ehrlich gesagt noch nie eine halbwegs interessante Fashion-Doku gesehen hatte, ohne mehr oder weniger nach 10 Minuten einzunicken, was aber auch meinem niedrigen Bluthochdruck geschuldet sein kann.
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Letzte Woche fanden in Berlin ja nur wenig spannende Award- und Charity Events statt, so dass hier auf wagg.de mal eine Pause eingelegt wurde, da selbstbeweihräuchernde extrem Laudatio-Abende einfach zu redundant sind. Dafür hat es sich gestern Abend dann gleich doppelt gelohnt, einmal wieder das Berliner Event-Parkett zu betreten, denn bei der Premiere von Oh Boy! gab es den vielleicht besten deutschen Film 2012 zu sehen. Das Spielfilmdebut von Jan Ole Gersters ist eine Art Film-Adaption des „Fängers im Roggen“ im Nouvelle Vague Stil geworden und hat das Zeug zum neuen Berlin-Kultfilm wie etwa Berlin Calling oder Wir Kinder vom Bahnhof Zoo zu werden. Die Tragikomödie ist komplett in Schwarz-Weiß gedreht und handelt wie in Salingers berühmten Roman von den Widrigkeiten des Erwachsenwerdens und den damit verbundenen Konflikten in Bezug auf soziale und gesellschaftliche Normen. In der Hauptrolle ist Tom Schilling zu sehen, der in Oh Boy! wahrscheinlich die Rolle seines Lebens spielt und den bohemienhaften „Slacker“ wirklich perfekt darstellt. Nebenbei ist der Streifen auf subtiler Ebene a la Woody Allen auch noch urkomisch, wobei es den Alltäglichen Berliner Wahnsinn hautnah mitzuerleben gibt. Zahlreiche renommierte Gaststars (u.a. Michael Gwisdek, Katharina Schüttler, Frederick Lau, Friederike Kempter, Justus Von Dohnanyi) runden den tollen Film ab.
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Natürlich war bei dem Promi-Fussballspiel des Radiosenders kissFM Trash und Klamauk bis der Notarzt kommt angesagt, setzten sich die „Promis“ bei dem Kisscup 2012 titulierten Fussballspiel doch größtenteils aus den Casting-Shows und Soaps der Republik zusammen. Doch genauso wie das alte mathematische Axiom minus (Trash) mal minus (Klamauk) gleich plus ist und guter Geschmack auch tot langweilig sein kann, so hatte auch der Kisscup 2012 seine Momente. So konnten man etwa Fehlpass auf Fehlpass von Cem Özdemir und vom Tiger ("der Kralle von Kreuzberg") bewundern, das solariumgebräunte Teppichluder Micaela Schäfer mit einem Hauch von Nichts auf dem Körper in der Umkleide besuchen und diverse Casting-Show Stars live auf dem Bolzplatz lauschen.
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