Premiere Einer wie Bruno
fp, | 13.04.2012   
Premiere Einer wie Bruno, Peter Kurth, Alwara Hoefels, Teresa Harder, Lola Dockhorn, Anja Jacobs, Hans-Werner Meyer, Berlin, Foto, wagg.de, Tine Vingaard
Gestern feierte Regisseurin Anja Jacobs samt Team Premiere und Deutschlandstart ihres neuen Films Einer wie Bruno. In dem einfühlsamen Drama geht es um die Beziehung zwischen der dreizehn Jahre alten Radost, herausragend gespielt von Nachwuchsschauspielerin Lola Dockhorn, und ihrem geistig behinderten Vater (wie immer gut gespielt von Christian Ulmen), der auf der geistigen Stufe eines achtjährigen stehen geblieben ist. Radost kommt in die Pubertät und die bietet der Regisseurin so die gute Gelegenheit, haufenweise Konflikte in der perfekt aufeinander eingespielten Kleinfamilie aufkommen zu lassen. Die Pubertierende wünscht sich einen ganz normalen Vater, um am Ende des Films zu erkennen, dass eigentlich alle anderen Familien noch verrückter als die eigene sind. Nach mehreren Fernsehproduktionen präsentiert Jacobs mit Einer wie Bruno ihre erste Kinoproduktion: eine sensible und trotzdem urkomische Coming of Age-Geschichte, die zeigt, dass man auch mit so einem heiklen Thema trotzdem humorvoll umgehen kann. Auch wenn der Film gegen Ende mit ein paar Längen hier und da aufwartet, kann das herausragend eingespielte Ensemble durchweg bestens unterhalten. Im Anschluss der Premiere ging es für die Crew, Darsteller und geladenen Gäste quer über die Straße ins intime „Schall und Rauch“, wo in kleinem Kreis ausgiebig angestoßen werden konnte. Christian Ulmen, der erst vor einigen Tagen Vater geworden ist, musste der Premierenfeier leider fernbleiben. Dabei hätte er sich so gut darauf vorbereiten können, was ihm in einigen Jahren vielleicht noch ins Haus steht...


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Kategorie: Film

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Kurz vor dem Jahreswechsel ging es dann noch einmal ins Kino, denn die norwegische Kokowääh Version Ich reise allein feierte Deutschland-Premiere in der Kulturbrauerei. Im Gegensatz zu Till Schweigers kurzweiligen Klamauk-Film ist Regisseur Stian Kristiansen eine recht unterhaltsame Hommage an die Familie gelungen, ohne dabei in Klischees oder unnötigen Pathos zu verfallen. Zwar wirkt Ich reise allein streckenweise wie ein Werbefilm von Pro Familia und hat zudem die eine oder andere Länge, trotzdem kann die Komödie durch überzeugende Darsteller (u.a. Rolf Kristian Larsen, Amina Eleonora Bergrem) und eine gelungene Story überzeugen die so geht: Ein Dauerstudent genießt das ausschweifende Studentenleben bis er erfährt, dass er vor 8 Jahren bei einem längst vergessenen One-Night-Stand eine Tochter gezeugt hat. Nun müssen unverhoffte Vaterpflichten erfüllt und das wilde Partyleben gegen ein gesittetes Familienleben ausgetauscht werden. Dabei sind tragisch-lustige Konflikte natürlich vorprogrammiert, die fernab eines Hollywood-typischen Happy Ends in eine wilde Kindergeburtstags-Party mündet. Neben den menschelnden Aspekten des Films, die den Prenzlauer Berger Kindertrend sicherlich noch weiter forcieren wird, besticht Ich reise allein auch mit einem guten Grunge/Indie-Soundtrack aus den 80ern und frühen 90ern (als Indie noch Independent hieß ;), wo sogar where is my mind von den Pixies aus der Versenkung geholt wird.
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Dieser von Jahr zu Jahr sich immer krasser entwickelnde Festival-Hype nervt ja irgendwie nur noch und man fragt sich unweigerlich, wer sich freiwillig am Tag 20 Bands hintereinander anschaut, zwei Stunden sein Zelt inmitten 100000er Honks sucht und 3 Tage lauwarmes Dosenbier und Büchsenravioli in sich reinschüttet. Das es auch positiv anders geht zeigte die Recordrelease Party der "Jägermeister Blaskapelle", wo man sich vom Line-Up auch wie aufn Festival (im Schnelldurchlauf =D) vorkam und ohne nerviges Soundchecking, Ansagen, „Helga!“ usw. Alexander Marcus, Alligatoah, Das Bo, Die Atzen, Haddaway, Jennifer Rostock, MC Fitti, Materia und natürlich die kuule Blaskapelle wie in einem DJ-Mix durchrockten und das alles nicht auf einem seelenlosen Container-Gelände oder in einem Stadion, sondern mehr oder weniger in einem größeren Wohnzimmer. Auf die Mütze gab es natürlich die ganzen Hits der Gastmusiker die auch auf dem Album vertreten sind und als Blaskapellenversion launige Covers von etwa Daft Punk, White Stripes oder Michael Jackson.
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Gerade is ja Sommerloch galore in der Hauptstadt und bei den Sahara Temperaturen will man eigentlich nur am See oder bei nem illegalen Open-Air chillen und die Seele baumeln lassen oder verpeilt raven bis die Bull** kommen. Trotzdem sind in den letzten Wochen auch in Berlin wieder ein paar Säcke Reis umgekippt und wenn das Loch am tiefsten ist, kommen auch immer die Must-See Filme in die Kinos, wie etwa „Kartoffelsalat“ oder „Sharknado 3“. Bei letzteren Streifen habe ich in der Jungsteinzeit beziehungsweise vor circa 3 Wochen bei der Premiere vorbeigeschaut, ich hatte nix besseres zu tun und ich glaube bei Mario Barth hätte ich mich weniger fremdgeschämt. Story, Effekte und Schauspieler waren so Trash und bis dato dachte ich immer, schlimmer geht nimmer, aber so kann man sich irren.
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Letzten Freitag feierte die TV-Verfilmung des Wenderomans Der Turm groß Premiere in der Astor Film Lounge. Zwar besitzt das Kino am Kudam die bestimmt kommodesten Kinosessel Berlins, aber die luden nicht zu einen Nickerchen ein, denn die 3 Stunden des Zweiteiler waren so spannend, dass die Zuschauer die ganze Zeit wie gebannt das Geschehen auf der Leinwand verfolgten. Da hat der öffentlich-rechtliche Zwangsgebührensender „ARD“ wirklich einmal was für sein Geld geleistet, denn die Verfilmung des Bestsellers von Uwe Tellkamp ist wirklich mehr als gelungen und packend bis zur letzten Minute geworden. In dem Fernsehfilm wird die Lebensgeschichte einer Dresdner Bildungsbürgerfamilie in der untergehenden DDR erzählt, die im Spannungsfeld zwischen innerer Emigration und Systemkonformität zerbricht. Dabei kommen natürlich DDR-Themen wie Stasi, NVA, Republikflucht und innere Konflikte, ob anständig bleiben und nicht studieren dürfen oder seine Nachbarn/Kollegen bespitzeln und Karriere machen, nicht zu kurz und werden mit dem normalen Alltag der Protagonisten so verquickt, dass eine Art DDR-„Lindenstraße“ rausgekommen ist, wobei der Zuschauer aber in eine faszinierende Reise in die jüngste deutsche Vergangenheit entführt und zudem noch interessante Einblicke in die unterschiedlichen Milieus und in den Alltag in der „sowjetischen Besatzungszone“ erhält.
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Montag war dann mal wieder Kinotag und so ging es entspannt zur Berlin-Premiere von Eden-Lost in Music, einen Film über die Pariser House Szene in den Neunzigern und frühen Nuller Jahren. Inhaltlich geht es um die Höhen und Tiefen (Achtung Wortspiel =D) des wilden DJ Lebens und der Streifen ist nicht nur interessant, sondern auch recht authentisch und schaut dokumentarisch hinter die Kulissen des angeblich so glamourösen Discjockey-Lifestyles, ohne dabei aber so tendenziös wie etwa Berlin Calling zu werden. So ist „Eden“ auch ein eher ruhigerer Film ohne hollywoodeske Dramamomente und Showdowns geworden, trotzdem schafft es Regisseurin Mia Hansen-Løve trotz Überlänge (131 Minuten) und obwohl eigentlich immer das Gleiche passiert (feiern, auflegen koksen, neue Freundin, Trennung, Depression, feiern, auflegen, koksen, neue Freundin, Trennung, Depression…) einen packenden Film und ein schönes Generationen-Portrait zu schustern, das irgendwie nie langweilig wird und gerade durch seine unspektakulären Alltags-Momente besticht. Besonders sehenswert ist der Part in den frühen Neunzigern, als elektronische Tanzmusik in Paris noch ein avantgardistischer Sound und kreative DIY-Subkultur war und der sell out und Mainstream noch fern und die Roboter von Daft Punk im Radio noch nicht tot gedudelt wurden und natürlich der ewige Konflikt vom älter werden und Abschied von der unbeschwerten Jugend nehmen. Es geht aber nicht nur um das zerplatzen idealistischer Adoleszenz-Träume, sondern „Eden“ ist natürlich auch ein Musikfilm mit einem größtenteils kuulen Soundtrack (solange man 90er Disko-House mag) und kein Daft Punk - the Movie Streifen, wie es der Trailer vielleicht suggerieren mag. An dieser Stelle großen Respekt an die Regisseurin für ein tolles und sehenswertes Independent-Movie und dem denkmalsetzen der Rave-Kultur, die aber zum Glück noch nicht im Museum verstaubt, sondern nach wie vor jedes Wochenende putz munter weiterfeiert, zumindest in Berlin, Gentrifizierung und Münchenisierung zum Trotz. Kinostart ist am 30. April und zum Trailer flimmern geht’s wie immer weltexklusiv hier
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