Wagg TV
wagg.de, Berlin, Foto, Fashion, Premieren, Mode, Film, Livestyle, Konzerte, Party wagg.de, Berlin, Foto, Fashion, Premieren, Mode, Film, Livestyle, Konzerte, Party wagg.de, Berlin, Foto, Fashion, Premieren, Mode, Film, Livestyle, Konzerte, Party

Berlins Bretterbuden-Raveguide
Dimitri | 24.11.2015 alle Fotos anschauen [4.81 MB]
analog ist besser
analog ist besser << Foto Nr: 0 >>

Die Hauptstadt ist ja nicht nur glam und gehobene Abendunterhaltung, sondern mindestens ebenso lustig sind ja die ganzen Bretterbuden-Raves, Afterauas und geheimen Open Airs im Sommer. Dimitri Haller von fromberlin (dot) net hat dazu, aus der Perspektive eines Exil Kölner, der einen russischsprachigen Blog über Berlin führt, einen mega interssanten Essay geschrieben, der sowohl für Münchener, BWL-Studenten als auch alten Szene-Partyhasen ein paar neue Erkenntnisse bereit hält und da wir Berliner eh die nettesten Menschen wo gibt auf der Welt sind - here we go:

Möge der bewanderte Berliner Partygänger nicht sofort die Nase rümpfen: dieser Text ist vor allem für die Anfänger der Berliner Partyszene gedacht.

Es gibt ja die oft verbreitete Meinung, Berlin hätte, wenn schon nicht die besten Clubs der Welt, dann wenigstens die besten Clubs Europas. Das ist eine schwierige Frage. Als Beispiel ließe sich der Streit um das beste Bier anführen: wer hat´s denn nun? Die Deutschen? Die Belgier? Die Tschechen?

Schnell wird es klar, dass die Antwort wesentlich vom Umfeld, von den sozialen, den wirtschaftlichen Faktoren, aber auch ganz einfach von persönlichen Vorlieben und Empfindungen abhängt.

Falsche Erwartungen können nicht nur einen Clubbesuch, sondern sogar den ganzen Berlin - Aufenthalt trüben. Damit man das Berliner Nachtleben richtig versteht und einschätzt, sollte man zunächst seine historischen, wirtschaftlichen und sozialen Besonderheiten kennen lernen. Ich bin nicht ganz unbedarft, was das Partyleben in verschiedenen Ländern anbetrifft, doch einiges in Berlin hat mich erstaunt und ich habe auf jeden Fall Zeit gebraucht, bis ich verstanden habe, warum manches so ist, wie es ist.

Also:

1. "Berlin ist die Techno - Welthauptstadt" - das mag schon sein, jedenfalls ist Berlin sehr EDM-lastig und wer nach Rock, Blues, oder Hip Hop lechzt, ist hier wohl fehl am Platz.

2. "Berliner Schick" und historische Faktoren. Viele Berliner Clubs und Partylocations entstanden schwarz und illegal, in irgendwelchen dafür völlig ungeeigneten, post-industriellen Räumen während der wilden 90er, oder gar 80er Jahre. Früher bestand ein typisches Berliner "Interieur" aus Brettern und Möbeln vom Schrottplatz. Es war einfach der Tatsache geschuldet, dass es kein Geld und keine Alternativen dazu gab. Einrichtungsgegenstände schleppte man einfach von der Straße mit - was einem so unter die Hand kam. Heutzutage ist es bereits zu einem Markenzeichen geworden. Für neue Locations kauft man die Möbel z.T. auf Flohmärkten zusammen und die Bretter werden auch schon mal von einem Innenraumgestalter geplant und angefasst.

Nun, es ist aber so, dass man weltweit und eigentlich auch deutschlandweit beim Begriff "Club", nicht als erstes an Bretterbuden und Sperrmüllmöbeln denkt. Der Schock, den beim unbedarften Partygänger das "Interieur - Design" auslöst (was durchaus meistens sehr kreativ und künstlerisch ist, aber sich nicht jedem sofort erschließt), wird spätestens beim Besuch der Toilette zu einem Trauma. Man muss schon ein paar Clubs besucht haben, um zu verstehen, dass eine komplett unter Wasser stehende Toilette weder ein Unfall, noch ein Ausnahmefall ist und von „Einheimischen“ normallerweise völlig ignoriert wird. Nur der Touri murmelt dann ungläubig: "And this is a cool club...?". Woraufhin die richtige Antwort in etwa lautet: "It´s Berlin, baby".

In dem Zusammenhang muss man auch sagen, dass Berlin bei Clubs einfach kein "Glamour" kann. Alles, was als solches beworben wird, entpuppt sich in der Regel als kompletter Mist und aus der Empirie kann ich nur sagen, das kann man sich einfach sparen.

3. Berliner gelten in Deutschland als recht unfreundliche Zeitgenossen mit stark ausgeprägter links-politischen Ausrichtung. In einem gewissen Maße wirkten sich diese Eigenschaften auch auf die Berliner Clubkultur aus und halfen so eine Art "Berliner Elitarismus" entstehen zu lassen. In dem ursprünglichen Berliner Nachtleben zählen weder Geld, noch Marken, noch Autos, noch Beauty, etc. Das zur Schau Tragen seiner Besitztümer wird als extrem negativ bewertet und das Hervorblitzen einer Rolex (was in anderen Herrenländern einen sicheren Einlass bedeuten würde), wird in Berlin mit Spott und einem sicheren, unfreundlichen "Geschlossene Gesellschaft!" quittiert.
Genauso zieht der Star - Status nicht, was den jüngsten Skandal um den wohl berühmtesten Club Berlins, das Berghain, welches immer wieder als eines der Top 10 Clubs der Welt genannt wird.

Letzten Sommer gab Felix Da House Cat, ein berühmter amerikanischer DJ und Producer, ein Konzert in Berlin und begab sich danach zum Berghain, wo er auf Teufel komm raus nicht rein kam. Es half kein Bitten und Flehen. Die Welt erfuhr davon, weil Herr Da Housecat noch in der selben Nacht einen hysterischen Wutanfall auf Twitter zum besten gab, der dann mehrere Tage andauerte und das Berghain, natürlich, völlig kalt ließ.
Liebe Freunde des Nachtlebens, ob ihr nun Felix Da Housecat, Bruce Willis (der der Legende nach nicht ins White Trash rein kam), oder Britney Spear seid: in einem wahren Berliner Club gibt es keinen VIP - Sondereingang. Alle sind vor dem Auge des Türstehers gleich.

Das, und die Tatsache, dass man u.a. dahingehend an der Tür gemustert wird, was man mit seiner Person für einen Mehrwert für die Allgemeinheit in dem Club mitbringt, sind definitiv Überbleibsel von sozialistischen Idealen.

4. Dies führt uns zu dem Thema "furchtbare Berliner Türen". Das Thema umgibt ein Universum aus Jammern und Klagen. Im Internet gibt es Forenfüllende Diskussionen, wie man wo rein kommt und immer wieder tauchen Anzeigen auf a la: "junge, solvente Unternehmer zahlen 150€ für garantierten Zugang ins Berghain." Es ist zu dem Thema auch wirklich sehr viel geschrieben worden, aber meistens entgeht den Kollegen doch ein Teil der Gründe für die recht ungewöhnliche Situation. Ich will das mal hier auseinander klamüsern:

Es kommt regelmäßig vor, dass es vor bekannten Berliner Clubs riesige Schlangen stehen. Dabei wird minimum die Hälfte der Menschen (wenn nicht sogar mehr) physisch nicht in den entsprechenden Club passen. Daher MUSS die Tür sehr hart aussieben. Dabei kann sie das nicht mehr nach dem Motto "Du passt uns heute und Du nicht“ tun, sondern muss wirklich banal die Anzahl der Menschen stark verringern.

Für den potentiellen Besucher bedeutet es, das er viel Zeit (und manchmal Geld) in ein bestimmtes Ausgeh - Image investieren kann, welches eigentlich ideal zu der aktuellen Veranstaltung passt und nach einer Stunde Anstehen trotzdem nicht reinkommt.
Zu dem rein rechnerischen Beispiel kommt jetzt wieder der o.g."Berliner Elitarismus" hinzu: natürlich erhöht die Tatsache, dass gerade irgendein cooler, gut aussehender Mensch weggeschickt wird, die "Coolness" des jeweiligen Ladens.

Als nächstes kommt der Moment des "Spektakels mit dem Türsteher". Meistens, wenn ein Türsteher anfängt Leute irgendwas auszufragen, ist das ein gutes Zeichen und er/sie will nur kurz schauen, ob ihr nicht total zugedröhnt und gut drauf seid, damit ihr für das Party - Kollektiv auch eine Bereicherung darstellt s.o. Zugegeben: es kann bizarre Züge annehmen, es kann passieren, dass es eine Diskussion über eure Wohnadresse entbrennt, es kann sein, dass es nach einem "geheimen Giftfach" in eurem Siegelring gesucht wird (nein, da ist wirklich keins) usw., usf. Dabei ist es wirklich ein Spiel und wenn man nicht darauf eingeht - ist man raus.

5. Durch die Berliner Un-Vorhersehbarkeit wird die Situation auch nicht einfacher. Bereits 2012 wurde Berlin von 25 Millionen Touristen besucht - und die Zahl wächst. Die Touris nehmen natürlich sehr aktiv am Partyleben teil und wirken sich auch darauf vielfältig aus.

Eine solche Menschenmasse erzeugt aber auch eine ganz eigene Dynamik und so kann es in Verbindung mit einem reichhaltigen Nachtleben - Angebot passieren, dass eure Lieblingsveranstaltung mal brechend voll, mal ziemlich leer ist. So könnt ihr für die selbe Veranstaltung mal stundenlang in einer riesigen Schlange anstehen, mal den leeren Tanzboden bewundern.

6. Blaues Berlin ist (wohl) super und alles, was ich, mehr oder weniger zufällig davon mitbekommen habe, war lustig und total ausgelassen. Wobei die Veranstaltungen auch oft wirklich viele hetero Frauen anziehen, sodass es eine echt nette Mischung entsteht.

Das Problem ist in etwa, dass man um auf solch eine Party zukommen sich oft in Latex-Strapse und High-Heels schmeißen müsste, was für die meisten doch "zu viel Aufwand wäre". :) So wird der Großteil von vermutlich tollen LGBT - Veranstaltungen für uns ein verschlossenes Thema bleiben.

7. Das Streben nach dem „Underground“. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es woanders auf der Welt so ein starkes Streben von der bestehenden Szene gibt, sich von neuen, fremden Elementen zu schützen. Dies hat natürlich mit dem gewaltigen Touristen- und „Neu-Berliner“-Strom zu tun, aber auch vor allem mit der Geschichte der Berliner Clubszene. Diese erschuf sich aus- und auf dem Nichts. Dabei ging es ursprünglich nicht ums Geld, sondern um gute Musik, Kreativität, Kunst und soziale Aspekte. Legendäre Berliner Locations entstanden in baufälligen Anlagen, in die man nebst Soundanlage ein paar Möbelstücke vom Sperrmüll reinschleppte, fürs Bier sorgte und zum Pinkeln Blecheimer hinstellte.

Diese Locations lebten von Mund zu Mund Propaganda Facebook würde es noch sehr lange nicht geben und Internet ging über Akustikkoppler. Jetzt ist es beinah auf dem genetisch Level, dass die Berliner Szene sich zurück zu den alten Zeiten sehnt, wobei es auch vollkommen klar ist, dass es nie wieder so sein wird, wie damals. Solche Plätze, die ohne Aushang, ohne Internetpräsenz existieren, gibt´s aber vereinzelt immer noch. Diese werden bewahrt, wie eine heilige Reliquie und jeder Berliner, der was sich hält, auch wenn er erst seit drei Monaten Berliner ist, darf unter keinen Umständen das Wissen um diese Plätze weitergeben, es sei denn, an andere „True Berliner“.

8. „Hipster oder Obdachloser?“ Wenn man die obigen Ausführungen betrachtet, wird einem schnell einleuchten, dass sich die Clubszene sehr „casual“ kleidet und auf keinem Fall ihren Wohlstand zur Schau trägt. Oft ist es ein großer Vorteil, weil es keinen „Dress Code“ gibt, was durchaus demokratisch und sozial ist.


9. Preise. Im internationalen Vergleich ist das Clubleben bestimmt günstig. Doch selbst in den letzten 3 Jahren hat man da sehr stark an der Schraube gedreht. Vor ein paar Jahren kostete der Eintritt im Durschnitt 5-8 Euro, jetzt sind´s eher 10-15 Euro. Vor allem, wenn man von immer noch sehr günstigen Gastronomiepreisen ausgeht – man kann für 1,5€ - 3,5€ satt werden – kann man sich vorstellen, dass 15€ Eintritt sehr viel Geld sind. Getränkepreise: Bier ab ca. 3,5€, Shots ab ca. 2,5€, Longdrinks ab ca. 6€.

10. Zeit. Die meisten Clubs öffnen um Mitternacht. Bis ein Uhr ist kaum einer da. Richtig los geht´s zwischen eins und drei. Zwischen Mitternacht und ca. halb zwei gibt es die größten Schlangen in den bekannten Clubs. Einige Clubs haben vom Freitagabend bis Montagmorgen durchgehend geöffnet. (Einige Menschen gehen von Freitagabend bis Montagmorgen durchgehend feiern): Deswegen kann man in solche Clubs ruhig auch mal um neun Uhr Sonntag früh hingehen – ist übrigens eines der „Geheimtipps, wie man ins Berghain reinkommt.

11. Alter. Einige Clubs lassen erst ab 21 rein. Wie man das erfährt, außer im äußerst unglücklichen Fall, direkt vor der Tür, weiß ich nicht.

12. Das Fotografieren ist streng verboten. In einigen Clubs, z.B. im Berghain und Sisyphos, werden die Linsen der Handykameras mit Stickern zu geklebt. Sollte man euch beim Fotografieren, oder ohne Sticker erwischen, fliegt ihr raus. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens solltet ihr einen Club für sich selber entdecken und nicht über schlechte Handyfotos im Internet. Zweitens sind Clubs geschützte Gebiete, in denen Menschen sich völlig frei fühlen und ihre Fantasien ausleben sollten. Daher ist mit das wichtigste der Schutz ihrer Privatsphäre.

13. Geraucht wird überall- ob man´s darf, oder nicht.

14. Kriminalität. Ich habe persönlich noch nie Schlägereien, Belästigung, Aggressionen, Gewalt durch Türsteher, Krankenwagen, o.ä. in Berliner Clubs erlebt. Geklaut wird´s wohl, aber Clubs sind nicht das vorrangige Ziel von Diebesbanden – zu gefährlich, zu viel Aufwand. Geklaut wird in Bars, auf öffentlichen Plätzen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

15. Drogen – ja, großes Thema. Oft kommt man nicht auf die Toiletten, weil diese durch Grüppchen besetzt sind, die entweder konsumieren, oder andere Dinge tun, die nichts mit dem Zweck der Toilette zu tun haben. Andererseits: niemand belästigt euch, niemand fuckt ab – was kümmert´s euch?





ACHTUNG COPYRIGHT: Alle Bilder sind urheberrechtlich durch deutsches, europaeisches und internationales Recht geschuetzt.

* url (diese Seite verlinken)


Bookmark and Share

zurueck zum Artikel














































Werbung



Hall of Fame


We like
>> allet ohne schminke
>> metropoli.-circus
>> LeVoltage
>> i-ref
>> Katharina Blanke
>> La Winter Agentur
>> from berlin
>> sleaze magazin

Die beliebtesten Artikel
>> Axe Black Shirt Release Party (...)
>> Premiere Das zweite Kapitel (...)
>> Premiere Türkisch für Anfänger (...)
>> Premiere Unsere Mütter, unsere Väte (...)
>> Premiere Ohne Gnade
>> Preview The Bling Ring +++ 5 Jahre (...)
>> Medienboard Berlinale Empfang 2013 (...)
>> wagg.de Kegel-Rave
>> Fashion-Week 2012-Tag 1/2: Installa (...)
>> Agentur Magnet Berlinale Dinner +++ (...)
>> Trust-Bar Opening Party (...)
>> Premiere Ziemlich beste Freunde (...)
>> Fashion Week - Tag 0: Amorelie Burl (...)
>> Harald Glööckler by Ulla Popken Fas (...)
>> Adidas all Originals #represent Par (...)
>> Guido Maria Kretschmer Fashion Show (...)
>> Reminders Night – Beats and Benefit (...)
>> Premiere Feuchtgebiete (...)
>> Casting Company Abrissparty +++ Com (...)
>> Levis Store Opening Party +++ Showc (...)