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Filmkritik zu One Chance – Einmal im Leben: Wenn das Leben ein Traum wird
Antonia Nooke | 22.05.2014 alle Fotos anschauen [1.41 MB]
Fotocredit: © Concorde - One Chance – Einmal im Leben
Fotocredit: © Concorde - One Chance – Einmal im Leben << Foto Nr: 0 >>

An die eigenen Talente, an deren glorreiche Entdeckung und an das große Glück glauben – das würden wir alle gern. Aber Pustekuchen. Das Leben ist eben das Leben und Geld, Ruhm und Selbstverwirklichung nur was für die Traumfabrik. Manchmal aber erdreistet sich ein Menschlein, diese Lebensweisheit frech zu widerlegen. Filmreif, ein Sechser im Lebenslotto für die Filmindustrie. Traumhafte Realität für eine weitere moderne Version der Frosch-König-Verwandlung, zur Illustration des American Dream.
Dieses Mal hat Regisseur David Frankel (Der Teufel trägt Prada) das Vergnügen, das Biopic „One Chance – Einmal im Leben“ zur märchenhaften Geschichte von Paul Potts zu realisieren. Der Mann, der als Kind verfolgt und zusammengeschlagen wurde, als Jugendlicher ausgegrenzt war und als Erwachsener noch immer zum unbeachteten Rand der Gesellschaft gehörte. Rettender roter Faden in Pauls Leben und Grundbestandteil der ganzen Spinnerei ist die Opernmusik und seine Liebe zum Gesang. Während das Arienvibrato sein soziales Umfeld – inklusive dem kulturbanausigen Kinobesucher wie mich – in den Wahnsinn treibt, treibt es Paul unentwegt an. Kirchenchor hier, Gesangskurse da, nichts will wahre Annerkennung bringen. Vor allem nicht die seines bornierten Vaters. Bis Paul eines Tages auf den TV-Bildschirmen ganz Großbritannien und dann als Startenor die gesamte Welt begeistert.

Die Marketingmühle schlägt Purzelbäume
Spätestens jetzt sollte es beim Allgemeinwissenden klingeln. Paul Potts gewann 2007 die erste Staffel des Castingshow-Formats „Britain’s got Talent“, hierzulande als „Das Supertalent“ bekannt. Und damit kommen wir zum Clou der Geschichte: Denn hier macht mal nicht der Film das Leben zum Traum. Sondern ohne das Fernsehen gäbe es diesen Traum gar nicht. Potz Blitz (sorry, für den Klamauk) wurde Paul zum Weltstar gecastet. Allein in Deutschland 3,5 Millionen verkaufte Platten, Werbestar der Deutsche Telekom, das Showformat für weltweite Adaptionen zur Goldgrube gemacht. Ein dicker Loosertyp mit zerfurchter Gebissreihe als Gallionsfigur für das massenbewegende Castinggenre. Der Glaube blüht: Stars können gemacht werden! Wenn selbst der das kann, dann... Und plötzlich werden Träume erreichbar, das Marketingrad wirbelt mit höchster Drehzahl. Auch dieser Spielfilm ist nur ein Zahn im Rädchen. Auf der kargen Website von One Chance prominent verlinkt: die Autobiografie und die aktuellsten Platten des populären Opernsängers ohne ernsthaft überragendes Talent (unken die Kritiker). Dass der Spielfilm die vergessliche Zuschauerherde auch für zukünftige Staffeln wieder vor dem Fernseher versammeln soll, sei hier noch zurückhaltend als Vermutung getarnt.

Nun, mal alle Absichten beiseite, das klassische Filmhandwerk wurde von allen Beteiligten beherrscht. Besonders die weitgehend unbekannten Charakterdarsteller, allen voran James Corden als Paul und seine Frau Julz, gespielt von Alexandra Roach, bringen erfrischend Leben in die stereotypen Figuren. Die Zuschauerempathie bewegt sich zwischen peinlicher Berührtheit und elterlicher Fürsorge, der Humor vermischt angenehm unterhaltsam Sarkasmus und Selbstironie. Bester Gag des Films ist aber fast die Burger King Tüte zur Snacktime in Venedig, das gelb-rot umwerfend scharf aus dem sonst so gräulich verschleierten Filmlook strahlend...

Und was bleibt?
Die Geschichte von One Chance ist gähnend erwartbar und dann doch wieder überraschend absurd. Erst Blinddarm-OP, dabei ein Tumor im Hals entdeckt, im Moment der Genesung kann ein Auto nicht rechtzeitig bremsen... So viel Pech kann ein einzelner nicht haben. Eben alles nur Film? Nein. Eben nicht alles. Der kleine Zusatz wendet das Blatt: based on a true story. Das Totschlagargument, das wirkt. Der Tumor war zwar nicht wirklich im Hals und Paul hatte auch vor Britain’s got Talent schon Fernseh- und Bühnenerfolge zu verbuchen. Der Film spitzt schamlos zu, die Kontraste werden geschärft, das Märchen perfekt – zu perfekt. Am Ende eben doch vor allem Traumfabrik. Aber wer wäre ich, wenn ich nicht zugeben müsste: Es ergreif einen doch. Und so verlässt man das Kino irgendwie beschwingt. Gut zu wissen, dass da oben eben doch einer die absurdesten Geschichten schreibt. Ich spiele derweil mit dem Gedanken, mir einen phantasievollen Ghostwriter zu engagieren. Nur um sicherzugehen.

One Chance – Einmal im Leben
Kinostart: 22. Mai 2014
Regie: David Frankel
Drehbuch: Justin Zackham
Verleih: Concorde Filmverleih
Mit: Mit James Corden, Alexandra Roach, Colm Meaney, Julie Walters, Mackenzie Crook



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